Die einzigartige Wirkung von Mi Shu ergibt sich aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren:
Beim Sitzen auf der gewölbten Sitzfläche finden die Sitzbeinknochen einen klaren Kontakt zum Untergrund. Hier liegen Akupressurpunkte, deren Aktivierung unwillkürlich einen Aufrichtungsimpuls nach sich zieht. Erzeugt wird dieser eutonische Impuls durch einen vererbten Reflexbogen, welcher besonders die tiefe, autochthone Rückenmuskulatur anspricht. Reflexe wirken unbewusst. Dies ist der Grund dafür, dass fast jeder, der zum ersten Mal auf Mi Shu Platz nimmt, überrascht bemerkt: Man sitzt ganz von selbst sehr aufrecht auf Mi Shu.
Die längliche Wölbung vermittelt dem Sitzenden eine klare Information über den Verlauf der Transversal-Achse im Körper: Man sitzt nicht auf einer planen Fläche, sondern man sitzt im Grunde genommen auf einer Linie. Dadurch kann auf Mi Shu jede noch so kleine Verdrehung im Becken bewusst wahrgenommen werden und wird so der Veränderung zugänglich.
Zugleich balanciert der ganze
Körper quasi über einem einzigen stabilem Punkt: Eine dynamische Suche nach optimaler Statik
setzt ein. Dies alles geht spielerisch und mühelos vor sich. Da der Gleichgewichtssinn auf der
tieferen Ebene im Hirnstamm und im Kleinhirn seinen Hauptsitz hat, wird die bewusste
gedankliche Tätigkeit damit nicht belastet, im Gegenteil: Der Kopf bleibt - oder wird - frei;
denn Aktivität im vestibulären System bringt auch andere Bereiche des Nervengeflechts in Schwung,
zum Beispiel das retikuläre System, das für Wachheit und Aufnahmefähigkeit zuständig ist.
Das spezielle patentierte Gelenk ist der Kernbestandteil von Mi Shu. Dieses Gelenk,
so einfach es auf den ersten Blick aussehen mag, hat es in sich. Denn es kann, je nachdem,
ob man ein einzelnes oder ein Doppelgelenk verwendet, als Scharniergelenk oder als Kugelgelenk
fungieren. Da das Gelenk sich ganz nah unter der Sitzfläche befindet, kommen - im Gegensatz
zu dem großen, bunten Sitz- und Gymnastikball - auf Mi Shu nur sehr kleine Hebelkräfte
zur Wirkung. Minimale Bewegungen und ganz geringer Kraftaufwand sind nötig, um den Körper
im Gleichgewicht zu halten. Fast fühlt es sich an, als hätte man einen neuen, zusätzlichen
Wirbel geschenkt bekommen und würde die eigene Wirbelsäule über diesem neu ausbalancieren:
Die Bewegung kommt direkt am lumbosacralen Übergang im Körper an und setzt sich dann fließend
nach oben hin fort, über die Brustwirbelsäule und den Hals bis hinauf zum Occipitalgelenk.
Mithilfe spezieller, leicht zu erlernender Übungen wird es mit dem Mi Shu Doppelgelenk möglich,
gezielt sogar einzelne Wirbel zu mobilisieren und die tiefe Rückenmuskulatur in ganz bestimmten
Bereichen zu aktivieren.